KategorieGefühl

Wozu Umwertungen gut sind

Interpretation und Bewertung von Phänomenen findet statt.

Wozu ist das Phänomen gut?, wenn es als schlecht bewertet wird, führt unter Umständen wieder in seine Nähe.

Denn [d]er Logos der Phänomene, den das phänomenologische Philosophieren für sich in Anspruch nimmt, zeichnet sich dadurch aus, daß er nicht über etwas spricht, ohne zugleich von etwas her zu sprechen. (…) Er läßt also eben das, worüber er spricht, zur Erscheinung, zu Wort kommen oder in »eigener Person« auftreten, wie Husserl bühnennah formuliert.1Waldenfels (Suhrkamp, 2012). Hyperphänomene: Modi hyperbolischer Erfahrung. S. 142

Wanderungen

Ich schlage Ihnen vor, das, was wir uns über uns und die Welt erzählen, auch unter dem Gesichtspunkt des Betroffenseins anzuschauen. Als Alternative zur Bewertung des Inhalts. Zwischen dem Inhalt der Erzählung und dem, wie uns die Erzählung betrifft, hin und her zu wandern, ist zentrales Beratungsanliegen. Über das Betroffensein lässt sich meiner Erfahrung nach leicht in Form von Gefühlen austauschen.

Gehen Sie davon aus, dass Gefühle uns mit der Welt oder anderen Menschen verbinden. Nehmen Sie als Beispiel ein Buch, das Sie langweilt. Sie stehen mit dem Buch zwar in Verbindung, der Bezug erscheint Ihnen jedoch leer. Das lässt sich auf menschliche Verbindungen übertragen. Dafür, warum es hierzu wichtig ist, auf die Unterschiedlichkeit verbindender Gefühle – nehmen wir Liebe und Wut – zu achten, gibt es in der Praxis für die Sachen selbst Raum.

Bei der Verortung von Handlungen und Möglichkeiten auf Enge und Weite zu achten und darüber zu sprechen, ob, während Sie erzählen, enthusiastisch, matt, Verliebtheit, taub, erniedrigt, Ungeduld, Aufregung, Nervosität, Leid, Demut, knorrzig, attraktiv, glücklich, unsicher, verwirrt, sicher, spitz, Mitleid, erregt, geil, gedemütigt, Neugier, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, erschrocken, angewidert, Ehrgeiz, verletzt, Hass, Stolz, einsam, gerührt, Romantik, Verbundenheit, angenommen, erhaben, Trauer, Wut, Angst, Scham, Zuversicht, Erleichterung, Vorfreude, Freude, Langeweile, voll, Sehnsucht, Enttäuschung, frei, lustlos, stumpf, Ohnmacht, Liebe, Hoffnung, Ärger, Lust, gekränkt, Ehrgeiz, bedrückt, Ekel, Fröhlichkeit, Beklemmung, Mut, Neid, bedrängt, lustvoll, Heiterkeit, dankbar, panisch, erschlagen, Geborgenheit oder Verzweiflung feuerwerksgleich aufblitzen, ist ein weiteres Merkmal meiner Beratungspraxis. Zur Selbstzugänglichkeit (Rahel Jaeggi) gehört das Wagnis, Gefühle auf ihre Eigenschaften (bspw. einengend, befreiend) zu untersuchen.

Menschliche Kommunikation betrachten wir unter Einbezug der Axiome von Paul Watzlawick oder Friedemann Schulz von Thuns Vier Ohren. Sie sind, das findet sich überzeugend bei Joachim Lempert, zusammen mit seinem Wahrnehmungsmodell zu denken.

In der Praxis für die Sachen selbst wird darüber hinaus die Unterscheidung Gemachtes und Gedachtes gehütet; ob von überschäumenden Möglichkeiten, die für Sie als Erkenntnis eine Qualität haben werden, gesprochen wird, oder davon, wie Sie eine dieser Möglichkeiten handelnd in Anspruch nehmen.

Kombination von Joachim Lemperts Wahrnhemungsmodell, Schulz von Thuns Kommunikationsmodell und der Unterscheidung Gemachtes und Gedachtes.

überwältigende Gefühle

Ich klettere auf die Befestigung des Ufers. Ich blicke in den Fluss. Ich setze mit Selbstverständlichkeit einen Grund voraus. Das Wasser ist klar. Was zu sehen ist: Umfassende Dunkelheit. Das Reissen des Stroms. Im Namen des Phänomens, des originären Gefühls, der Interpretation, der Bewertung und allem Abgeleiteten beherzt zu fragen, was ich gelten lassen muss, gerät ins Wanken.

Im Fluss. Ich stehe auf einem grossen schweren Stein. Er wird von Sand und kleineren Steinen getragen. Ich steige ins kalte Wasser. Ich tauche ein. Ich tauche auf. Was vom Stein aus dem Strom ragt, bietet mir Rauheit und Sommerwärme. Aufwärmen. Zu mir gehört, von einem Fluss umgeben zu sein und die Annahme, dass die Tage des festen Sitzes des Steins gezählt sind. Angst ist eine grosse Kraft. Wie Trauer, Ärger, Freude, Glück, Scham. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.