KategorieUncategorized

Phaemo® und Soziale Arbeit

Das Kunstwort Phaemo® umfasst Phänomen und Emotion. Der Hamburger Psychologe Joachim Lempert hat es geprägt. Während ich bei ihm dazu in der Weiterbildung war12010 bis 2017, zu Gewaltberatung und Tätertherapie, stellte sich mir, als Vertreter der Sozialen Arbeit, die Frage, worin sich Konstruktivismus und Phänomenologie unterscheiden. Die Antwort, die sich darauf fand, führte dazu, in der Praxis für die Sachen selbst Vorannahmen und empirisches Wissen über das zu Untersuchende auszuklammern, das Fühlen in den Vordergrund zu stellen und auf die Phänomenologie von Beratungen zu achten.

Radikaler Konstruktivismus, der ohne fundamentale Strukturen des Seins oder seines Wesens auskommt, steckte anfänglich meinen Deutungshorizont ab. Tief überzeugt betrachtete ich Erfahrungswirklichkeit als individuelle Konstruktion, die keinesfalls als Abbild einer objektiven Realität verstanden werden kann.

So war es kein Zufall, dass ich, als Lempert das Phänomenologische Wahrnehmungsmodell einführte, Watzlawicks

Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

am passendsten fand.

Phänomenologisches Wahrnehmungsmodell (ausgezogene Pfeile) von Joachim Lempert (eigene Darstellung)

 

Um auf Interpretation, Bewertung und Derivates Gefühl anzuspielen, mag sich das Zitat eignen. Eines, das darauf eingeht, was Welt, Phänomen und Originäres Gefühl in der Beratung bewirken können, war ausser Reichweite.

Mich mit der Phänomenologie2Im Wesentlichen mit der Neuen Phänomenologie, auf die sich Lempert bezieht. Die primären Quellen für diesen Text sind Leib und Gefühl, Kurze Einführung in die Neue Phänomenologie, Ausgrabungen zum wirklichen Leben, der YouTube-Kanal der Gesellschaft für Neue Phänomenologie und Tom Latkas Topo-Wiki. anzufreunden, führte allmählich dazu, konstruktivistische Überzeugungen zu erweitern oder loszulassen. Wobei einer der Wegbereiter ein Konstruktivist war. Varga von Kibéd nennt seine Form Konsequenten Konstruktivismus. Diese Ausprägung fordert, sich selbst auch als interessante Konstruktion anzusehen. Er spricht zur Einteilung von Sein von einer «Verwurzelung im Bodenlosen». Das war das Scharnier. Verstehend, liess sich von da aus der Bogen zur Phänomenologie schlagen. Auf Wer ist im Bodenlosen verwurzelt? mit Hermann Schmitz’ Leib zu antworten, lag nahe.

Hermann Schmitz verweist auch bei der unmittelbaren Wahrnehmung, dass etwas bereits da ist, auf die zentrale Rolle des Leibes. Das ist besonders tragfähig, wenn auf Lemperts Modell der Denkraum für Welt, Phänomen und Originäres Gefühl offen gehalten und Leiblichkeit, als Begriff für umfängliche Verkörperung einer Person, gegenübergestellt wird. Hartmut Rosa zeigte hierzu auf,

dass Menschen immer schon in eine Welt hineingestellt sind. Der erste Bewusstseinsfunke beim Aufwachen am Morgen oder nach einer Narkose, vermutlich der erste Bewusstseinseindruck auch eines Neugeborenen ist der einer Gegenwart(…).3Rosa, Hartmut. (2018). _Unverfügbarkeit_. Residenz Verlag. S. 12.

Mit Unterstützung von Paul Hoyningen-Huene liess sich zu den Schwächen des Konstruktivismus schliesslich sagen, dass er dazu tendiert, die Frage Wie können wir etwas wissen? mit der Frage Was ist real? zu vermischen. Hoyningen-Huene machte mir deutlich, dass die Eigenständigkeit der Welt von unseren Erkenntnissen nicht aufgehoben wird, bloss weil unser Wissen sozial konstruiert sein kann. Es entstand Klarheit dazu, wie einengend angewandter Sozialkonstruktivismus in Beratungssituationen wirken kann. Das phänomenologische Wahrnehmungsmodell (mit einer Welt, die aus sich heraus existiert) als Gesprächsgrundlage zur Frage nach akzeptabler Abdrift anzubieten und Leiblichkeit als stabilen Anker in einem potenziell chaotischen Diskurs über Wirklichkeit und Werte zu betrachten, entpuppte sich als fruchtbare Erweiterung der Praxis.

Was ist das zu Tuende?

Zu diesem Zeitpunkt fand sich das vermisste Zitat:

(…) Selbstverwirklichung [besteht] nicht allein in der Entwicklung der eigenen Fähigkeiten. Vermittelt über diese »Fähigkeiten und Potentiale« bedeutet Selbstverwirklichung vielmehr einen Vorgang tätiger Weltaneignung. Selbstverwirklichung wird demnach nicht als Verwirklichung von etwas und nicht als eine Art von »innerem Wachstum« oder als »Entfaltung« verstanden (Wie beispielsweise in der »Humanistischen Psychologie«), sondern als eine Weise des Tätigseins. Man verwirklicht nicht sich, sondern sich in dem, was man tut. Zu verwirklichen hat man sich, sofern man erst durch diese »Entäusserung« aus der »Nacht der Möglichkeiten in den Tag der Wirklichkeit« (Hegel) tritt.4Jaeggi, Rahel. (2016). Entfremdung. Suhrkamp Verlag. S. 284.

Es nimmt auf, dass die Frage nach dem zu Tuenden Lern- und Erfahrungsprozesse in Gang bringen will. Für diese Erkenntnis bin ich Joachim Lempert dankbar: Sein «Was tust du jetzt?» ist nicht zuerst auf Zielverwirklichung ausgerichtet, sondern auf die Reflexion zum eigenen Prozess. Die Aufmerksamkeit liegt auf dem Wie des Handelns, darauf, ob wir uns in unseren Entscheidungen entfalten und entwickeln.

Was Geltung hat

Die Beschaffenheit des philosophischen Systems von Hermann Schmitz ist durch «Was zwingt gerade mich, etwas zu einer Zeit, an einem Ort, gelten zu lassen?» ausgedrückt.

Weil «Soziale Arbeit Arbeit am Sozialen ist, nicht am Körper und nicht an der Psyche»5Seydel, Stefan M., dissent.is., kann Repräsentantinnen und Repräsentanten der Disziplin an dieser Stelle aufgehen, dass es für sie ausgeschlossen ist, die Praxis der Phaemomethode®, die ihr Entwickler als Teilgebiet der humanistischen Psychologie bezeichnet, in ihrer Gänze zu übernehmen.

Mir ist es wichtig, methodische und theoretische Vertiefung zu Joachim Lemperts Sachen an der heimatlichen Profession festmachen zu können. Die Frage dazu lautet: Was unterstützt Individuen hinsichtlich Selbstbestimmung und -ermächtigung?

Auf zwei Gebiete der Neuen Phänomenologie, die hierzu ergiebig sind, wollen wir noch eingehen.

Affektives Betroffensein

Gefühle sind wie bloße leibliche Regungen Weisen des affektiven Betroffenseins, das dem Betroffenen nahe geht, ihn mit sich nimmt oder gar mitreißt, keineswegs aber private Zustände, die man bei sich vorfindet und (als Lust) begrüßt oder (als Unlust) wegwünscht, und ebenso wenig Akte, mit denen man von sich aus ein Objekt aufsucht.6Schmitz, Hermann. (2016). Ausgrabungen zum wirklichen Leben. Verlag Karl Arber, München. S. 20.

Das sagt Hermann Schmitz in «Ausgrabungen zum wirklichen Leben». Wir verzichten hier darauf, nachzuzeichnen, wie er diese Darstellung begründet und kehren zur Einleitung dieses Textes zurück. Auf die anfänglich zur Verfügung stehende Erfahrungswirklichkeit blickend, ist jetzt zu erahnen, dass der Einbezug der Möglichkeit, mein zu beratendes Gegenüber und ich seien affektiv betroffen, den Handlungsraum in der Beratungspraxis radikal erweitert.

Situationen

Was Hermann Schmitz zu Situationen sagt, ermöglicht es, über gängige Problemlösungsverfahren hinauszugehen, weil anhand des Gesagten Strukturen und Dynamiken, die menschlicher Erfahrung zugrunde liegen, adressiert werden können.

Was der allgegenwärtige (naturwissenschaftlich orientierte) Reduktionismus, so Schmitz, unter den Tisch fallen lässt, sind die «Situationen». Eine Situation ist der konkrete Gegenstandstyp der Lebenserfahrung. Das Spezifische der Situationen ist nach Schmitz der Ruf ihrer Bedeutsamkeit, bestehend aus Sachverhalten, Programmen und Problemen, die nicht sämtlich einzeln, sondern zu chaotisch mannigfaltiger Ganzheit verschmolzen sind.

Jenseits von Ordnung und Chaos

Schmitz‘ Ausdruck «chaotische Mannigfaltigkeit» meint eine Binnendiffusion, die Akzeptanz dazu erfordert, dass unter den Elementen des Mannigfaltigen keine durchgängige Entschiedenheit dazu erfüllt ist. Es ist aber nicht an Chaos im Sinne von Verworrenheit oder verworrenem Durcheinander zu denken, sondern an Verschwommenheit. Situationen können aktuell oder zuständlich sein, privat oder gemeinsam. Sie können sich als gegenständlich oder als subjekt- und objektunverteilbar übergreifend erweisen.

Eigenschaften der Persönlichkeit

Demnach ist die Persönlichkeit eines Menschen seine persönliche Situation, die viele Situationen in sich trägt und in viele eingebettet ist.

Bedeutung von Eindrücken

Unter den Situationen sind die Eindrücke diejenigen, die in einem Augenblick ganz zum Vorschein kommen. Sie sind vielsagend, weil sie dank des chaotischen, mannigfaltigen Hofes ihrer Bedeutsamkeit mehr zu verstehen geben, als sich einzeln sagen lässt. Vielsagende Eindrücke, wie beim Betrachten eines interessanten Gesichts, eines Porträts, einer eigenartigen Naturstimmung oder beim Betreten einer Wohnung, die einem gleich behaglich oder kahl vorkommt, noch ehe man sich umgesehen hat, vielsagende Eindrücke sind die genuinen Einheiten der Wahrnehmung. Zwischen den Spitzen der auffälligen Eindrücke gibt es die Scharen der unauffälligen, an denen wir uns ständig unwillkürlich orientieren. Eindrücke können ausser dem Hof ihrer Bedeutsamkeit auch beliebige andere Gegenstände, zum Beispiel dingliche oder sinnliche Kerne, enthalten.

Wahrnehmend verstehen

Damit kehren wir zum phänomenologischen Wahrnehmungsmodell zurück. Mit Welt, Phänomen und Originäres Gefühl klopfen wir Mannigfaltiges auf Halt ab. Wir fragen, wie Individuen ihre Erfahrungen und Eindrücke verwerten und wie das ihr In-der-Welt-sein beeinflusst.

Phänomenologische Ergänzung

Sozialarbeiterisch können wir uns, ähnlich wie bei Hans Thiersch7«Lebenswelt ist zunächst ein beschreibendes, phänomenologisch-ethnomethodologisch orientiertes Konzept. Der Mensch wird nicht abstrakt als Individuum verstanden, sondern in der Erfahrung einer Wirklichkeit, in der er sich immer schon vorfindet.» Grunwald, Klaus. Thiersch, Hans (Hrsg.). (2004). Praxis Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit. Juventa Verlag, Weinheim und München. S. 20., auf das Sein in der Welt von Menschen konzentrieren. Weil alle Menschen mit einer Sozialität ausgestattet sind, müssen wir über Selbstverständnisse hinausdenken. Nicht im Namen einer

Avantgarde, die die Bevölkerung zu ihrem Glück zwingen will8Adamczak, Bini. (2017). Beziehungsweise Revolution. Suhrkamp Verlag. S. 254.,

oder indem wir der

Gewalt des Utopiefetischs, eine perfekte Welt imperfekten Bewohnerinnen aufzwängen9 ebenda.,

erliegen.

Dabei greift uns die Tatsachensubjektivität, ein zentraler Begriff der Neuen Phänomenologie, unter die Arme. Er hilft beim Unterfangen, in der lebensweltorientierten Beratungspraxis die Wirklichkeit weder als Konstruktion anzusehen noch sie epistemisch zu binden. Im Vergleich zur Erfahrungswirklichkeit ermöglicht Tatsachensubjektivität, die Sicht eines erlebenden Subjekts zu erhalten, ohne dabei die Existenz einer objektiven Realität zu leugnen. Mit Hinweisen zur Verflechtung von Wahrnehmendem und Wahrgenommenem debattiert die Tatsachensubjektivität aber auch die strikte Trennung zwischen Subjekt und Objekt. Sie berücksichtigt die leibliche Erfahrung als grundlegenden Aspekt der Wirklichkeitswahrnehmung und betont den dynamischen Charakter von Erfahrungen und Wahrnehmungen. Letztlich führt sie uns zur Intersubjektivität, der Anerkennung geteilter Erfahrungen und Bedeutungen.

 

Phänomenologische Betrachtung

Um zu beschreiben, was phänomenologische Betrachtung auszeichnet, gehen wir zuerst auf das Verhältnis zwischen Konstruktivismus und Phänomenologie ein und setzen voraus, dass der Konstruktivismus an einer Ontologie festgemacht sein muss, will mit ihm etwas über die Wirklichkeit gesagt werden. Um sehen zu können, was damit gemeint ist, bezeichnen wir Erfahrungswirklichkeit als Koordinatenursprung. Statt auf Konstruktivismus, der ohne fundamentale Strukturen des Seins und seinem Wesen auszukommen sucht und so auch Erfahrungswirklichkeit losgelöst, für sich alleine stehend, betrachten würde, gehen wir auf eine Form ein, die Varga von Kibéd konsequenten Konstruktivismus nennt.1vgl. Varga von Kibéd, M., & Sparrer, I. (2018). Ganz im Gegenteil: Tetralemmaarbeit und andere Grundformen systemischer Strukturaufstellungen – für Querdenker, und solche die es werden wollen (Zehnte Auflage). Carl-Auer-Systeme Verlag. Nach dieser Ausprägung ist es erforderlich, sich selber auch als interessante Konstruktion, und damit als im Bodenlosen verwurzelt, anzusehen. Das soll unser Scharnier sein. Von hier aus schlagen wir den Bogen zur Phänomenologie.

Nun können wir fragen, wer im Bodenlosen verwurzelt ist. Aus Sicht des Phänomenologen Hermann Schmitz lautet die Antwort: Der Leib. Ein humanoides Ich kann (unabhängig von seinen 5 Sinnen) feststellen, dass immer schon etwas da ist, wenn es auf sich oder auf das, was es umgibt, bezogen ist.2vgl. Hartmut Rosa in Unverfügbarkeit. (2018). Residenz Verlag, S. 12, zu Maurice Merleau-Pontys Welt-Subjekt-Beziehung Gerade die neue Phänomenologie beteuert, aufgrund dieser Feststellung müsse es der Leib sein, der schon da ist. Sein Dasein ist nicht alleine an seinem Denken festgemacht, sondern an einer Art Gesamteindruck, also auch an Wahrnehmung. Die neue Phänomenologie nennt solches Wahrnehmen affektives Betroffensein. Darauf stellt der Satz Was zwingt mich, etwas zu einer Zeit an einem Ort gelten zu lassen? ab und daraus entwickelt Schmitz seine Revisions-Idee. Das lässt sich anhand von Schmitz‘ Umgang mit Situationen konkretisieren. Situation sieht er als grundlegenden und konkreten Gegenstandstyp der Lebenserfahrung an. Das Spezifische von Situationen ist, so Schmitz, der Ruf ihrer Tragweite. Sie bestehen aus Sachverhalten, Programmen und Problemen, die nicht sämtlich einzeln, sondern zu chaotisch mannigfaltiger Ganzheit verschmolzen sind. Schmitz‘ Ausdruck chaotische Mannigfaltigkeit meint eine Binnendiffusion3vgl. http://www.topowiki.de/wiki/Explikation, die darin besteht, dass unter den Elementen des Mannigfaltigen keine durchgängige Entschiedenheit dazu erfüllt ist. Es ist nicht Chaos im Sinne von Verworrenheit oder verworrenem Durcheinander gemeint, sondern im Sinne von Verschwommenheit. Situationen können aktuell oder zuständlich sein, privat oder gemeinsam. Gegenständlich oder subjekt- und objektunverteilbar übergreifend. Die Persönlichkeit eines Menschen ist seine persönliche Situation, die viele Situationen in sich trägt und in viele eingebettet ist. Unter den Situationen sind die Eindrücke diejenigen, die in einem Augenblick ganz zum Vorschein kommen. Sie sind vielsagend, weil sie dank des chaotischen, mannigfaltigen Hofes ihrer Aussagekraft mehr zu verstehen geben, als sich einzeln sagen lässt. Vielsagende Eindrücke, wie beim Betrachten eines interessanten Gesichts, eines Porträts, einer eigenartigen Naturstimmung oder beim Betreten einer Wohnung, die einem gleich behaglich oder kahl vorkommt, noch ehe man sich umgesehen hat, vielsagende Eindrücke sind die genuinen Einheiten der Wahrnehmung. Zwischen den Spitzen der auffälligen Eindrücke gibt es die Scharen der unauffälligen, an denen wir uns ständig unwillkürlich orientieren. Eindrücke können ausser dem Hof ihrer Bedeutung auch beliebige andere Gegenstände, zum Beispiel dingliche oder sinnliche Kerne, enthalten.4vgl. Hermann Schmitz zu «Wege zu einer volleren Realität»

Das wird hier nicht als grundsätzliche Absage an den Reduktionismus verwendet. Für den Moment ist einfach verlangt, die Bildung von Alltagswissen und die Bildung von wissenschaftlichem Wissen auseinanderzuhalten. In Situationen, wie von Schmitz verstanden, bleibt der Bezug zwischen Lebensumständen und eigener Positionalität erhalten.

Vom Rationalismus (als Denkweise) nehmen wir hier an, dass er epistemisch mit der Wirklichkeit ringt. In der Übertreibung ist mit dem Konstruktivismus gemeint, dass es keine Wirklichkeit gibt. Die Phänomenologie nimmt in Anspruch, dass immer schon etwas da ist, das (trotz aller Epistemisierung) nicht hintergangen werden kann.

Um den phänomenologischen Blick zu schärfen, wird abschliessend die (soziologische) Erfahrungswirklichkeit durch einen passenderen Begriff ersetzt. Gottfried Ben habe, so Sloterdijk, mal gesagt: «Ich blickte in mich hinein und was fand ich? Ich fand die Soziologie und die Leere». Das bedeute, so Sloterdijk weiter, ein Ich findet Leute und nichts. Und das Nichts ist das Ich.5vgl. Peter Sloterdijk in Sein und Streit zu Freiheit Das Nichts ist jedoch bereits bestimmt durch das Unbestimmte, das noch alles werden kann. Diese unbestimmte Bestimmung ist im Vergleich zum Begriff Erfahrungswirklichkeit mit Tatsachensubjektivität deutlicher gefasst. Sie ist ein Fazit der neuen Phänomenologie. Mit ihr lässt sich die Empfehlung unterstreichen, in der (alltags-, bzw. lebensweltorientierten) Praxis Versuchen zu erliegen, die Wirklichkeit weder als Konstruktion anzusehen noch sie epistemisch zu binden.6vgl. Bogner, A. (2021). Die Epistemisierung des Politischen: wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam.