SchlagwortDu

…und so fort…

Deine Darstellung ist trostlos, aber nur für die Analyse, deren Grundfehler sie zeigt. Es ist zwar so, daß der Mensch sich aufhebt, zurückfällt, wieder sich hebt und so fort, aber es ist auch gleichzeitig und mit noch viel größerer Wahrheit ganz und gar nicht so, er ist doch Eines, im Fliegen also auch das Ruhen, im Ruhen das Fliegen und beides vereinigt wieder in jedem Einzelnen, und die Vereinigung in jedem, und die Vereinigung der Vereinigung in jedem und so fort, bis, nun, bis zum wirklichen Leben, wobei auch diese Darstellung noch ebenso falsch ist und vielleicht noch täuschender als die deine. Aus dieser Gegend gibt es eben keinen Weg bis zum Leben, während es allerdings vom Leben einen Weg hierher gegeben haben muß. So verirrt sind wir.

Franz Kafka

Zwischen den Seiten von Ich und Welt fand sich ein Zeitungsartikel zu Schulz’ Untersuchungen der Geschichte der Ästhetik. Weil ich es, nachdem das Zitat aus der Einleitung kopiert war, meinem Freund schenkte, bleibt das Buch von hier aus gesehen eines, über das man spricht, aber nicht gelesen hat. Ob es die Überlegung enthält, dass Subjektivität, auf die sein Untertitel eingeht, am Ich haftet und kaum anders in der Welt vorkommt? Dass Auseinandersetzungen aus der Vergangenheit – das Buch stammt aus dem Jahr 1979 – es mitunter vermögen, die Gegenwart zu entwirren, stand beim Verschenken im Hintergrund. In erster Linie erhielt der Freund das Buch, weil es ästhetisch ist, es einen Verweis zu einem weiteren Buch enthält, das mit Ästhetik befasst ist und weil ein Antiquar mit ihm ein Schaufenster auf eine Weise ausstattete, die meine Subjektivität zu betreffen vermochte. Ein Ich bespielte die Welt. Sie bespielte daraufhin ein Ich. Und so fort.

fremd/bekannt

Unmögliches annehmend verstehen kann heissen, das Mögliche durch den Einbruch des Unmöglichen infrage stellen, und aus der Ruhe bringen zu lassen. Das ist, so Waldenfels in Hyperphänomene, eine von drei Figuren, um auf Fremdes einzugehen, ohne es durch Haltung, Ablenkung, es bereits wissen oder schon kennen zu neutralisieren oder zu verleugnen. Abweichung als Einladung zur Verformung, als Innovationskraft oder als Anomalie anzusehen, ist eine weitere Figur. Die dritte nennt sich Selbstverdoppelung. Waldenfels verbindet sie mit Achtung (Missachtung oder Beachtung), die in einem Gruss steckt, den sich eine Person nicht selber geben kann. Auch unter Zuhilfenahme eines Spiegels bleibt das, was sich eine Person an Achtung (Missachtung oder Beachtung) entgegenbringt, von dem unterschieden, was ihr an Achtung (Missachtung oder Beachtung) durch ein Du entgegengebracht wird.