Die Welt grösser machen!

Die Welt auf dem phänomenologischen Wahrnehmungsmodell (nach Joachim Lempert) ist viel zu klein dargestellt. Auf der Interpretation dazu (Interpersonale Sicht mit der Unterscheidung Gemachtes und Gedachtes) fehlt sie ganz. Das wurde dank Matthias Ohlers hilfreicher Einführung zu Atmosphären klar, die letztes Wochenende als Webniar in dieses Arbeitszimmer flimmerte. Beide Abbildungen werden dem übermächtigen, unkontrollierbaren Aspekt von Atmosphären nicht gerecht.

An der Wirklichkeit festmachen

Konstruktivismus lässt den Austausch von Macht gegen Semantik Bedeutung zu. Was soll das bedeuten? sagen wird als hilfreich angesehen. Kucklick demonstriert das im

[…] unmoralische[n] Geschlecht.

Statt die Gender-Debatte unter dem Machtaspekt zu betrachten, untersucht er die Redeordnung der Debattierenden (Frauen und Männer) anhand der Systemtheorie.

Der Phänomenologie ist ein solcher Austausch suspekt. Semantisch untersucht sie die Betroffenheit der Betroffenen.

In der Nähe der Phänomene bleiben

Zu meiner Herangehensweise gehören die Auseinanderhaltung von Deskription und normativer Konsequenz. Damit soll Handlungsraum eröffnet werden.

Als Berater lege ich das Gesagte meines Klienten unter verschiedenen Gesichtspunkten aus. Vertrauen: WACHSTUM. Erfahrung: SELBSTBEZUG. Vermutung: Vergegenwärtigung, das Gesagte meines Klienten auf eine bestimmte Weise auszulegen, METAEBENE.

Was ich als Berater zum Gesagten meiner Klienten sage, folgt keinen Fragen, sondern Bildern und Gefühlen.

Weder vernünfteln, noch psychologisieren. Sondern in der Nähe der Phänomene bleiben.

Arthurs Absolut-Normale-Viecherfleisch-Sandwich mit einigen Fladieschen- und Nurkenscheiben und einem Hauch Dämpfkornsauce

Mageres Siedfleisch (im Originalrezept Absolut-Normale-Viecherfleisch vom Planeten Lamuella) im Mehl wenden. Im Schmalz gründlich anbraten. Kardamomkapseln, Senfsaat, Fenchelsamen, Kümmel, Salz, Pfefferkörner und Nelken zerstossen. Fleisch damit einreiben. Zusammen mit Rüebli, Lauch, und Sellerie in einen Topf geben. Mit Wasser bedecken. Fleisch knapp unter dem Siedepunkt gar werden lassen, herausnehmen und vor dem Erkalten eng mit Klarsichtfolie einwickeln. Kaltstellen. Brühe abseihen, etwas einreduzieren. Gemüse pürieren und würzen.

4 Teile Mehl, 3 Teile Wasser, sehr wenig Hefe und Salz vermengen. Mindestens 12 Stunden gehen lassen. Mehl hinzufügen, bis ein klebriger, knetbarer Teig entsteht. Kugel formen, bemehlen. Mit einem Tuch abdecken, weitere 2 Stunden gehen lassen. Eisentopf mit Deckel in den Ofen stellen, bei 250 Grad während 30 Minuten heiss werden lassen. Brot in den Topf legen. 30 Minuten zugedeckt backen lassen, weitere 30 Minuten ohne Deckel backen.

Schalotten fein hacken, in Butter langsam anziehen. Brombeeren (im Originalrezept Dämpfkorn, eingewandertes Gewächs auf Lamuella, ursprüngliches Vorkommen: Beteigeuze) dazugeben, mit Rotwein ablöschen, einkochen. Brühe schluckweise dazugeben und immer wieder einkochen. Wiederholen, bis das Chutney salzig genug ist. Solange auf kleiner Flamme weiter kochen, bis die Schalotten ganz weich sind. Alles durch ein grobmaschiges Sieb streichen. Beiseite stellen.

Radieschen (Originalrezept: Fladieschen) und Gurken (Originalrezept: Nurken) in dünne Scheiben schneiden.

Essiggurken würfeln.

Meerrettich fein reiben, mit Salz, Zucker, Zitrone und Butter vermengen.

Fleisch aus der Folie nehmen, in sehr dünne Scheiben schneiden.

Brot aufschneiden, mit Meerrettichbutter bestreichen. Belegen: Fleisch, Brombeerchutney, Radieschen, Gurken, Fleisch, püriertes Gemüse, Essiggurken, Kresse usf.

Ein glückliches 2018. Und gutes Gelingen.

Rezept: Douglas Adams, Einmal Rupert und zurück, S.153 ff., Heyne Verlag, München, 1992

Pepermint

Bibliothek von Annemarie und Lucius Burckhardt an der Documenta14.

Als ich Dürrenmatts Labyrinth zum zweiten Mal begegnete, war ich über die Dünne des Buches erstaunt. Die erste Begegnung war ein wochenlanges Beschäftigtsein mit übermächtigen Geschichten. Das Erlebnis kommt an meine Verwunderung über das Kürzerwerden des Grases heran. Es stand genau einen Sommer lang so hoch, dass sich die Matte problemlos mit tunnelartigen Gängen durchziehen liess. Jeder darauf folgende Sommer befeuerte meine Enttäuschung. Das mit dem Gras und mir habe ich mittlerweile verstanden. Ich vermisse Fritz, wie ich Niki, Jean, den unflätigen Luginbühl, Roth und Szeemann vermisse. Wo die alle hin wollen? Und besonders Franz Eggenschwiler. Ich bin um ihn und um die individuelle Mythologie herum gross geworden.

A. und L. Burckhardt stehen, seit ich ihre Bibliothek gesehen habe, auf meiner Vermisstenliste.

Die unaufgeräumte Küche

In einem Konflikt kann ich auf der Ebene des Gegenstands bleiben. Nehmen wir als Beispiel eine unaufgeräumte Küche. Oder auf Beziehungsprobleme, meine Sozialisation, meine Erkenntnis, dass es in einem Konflikt ein paar Ebenen gibt – eine Gegenstands- (unaufgeräumte Küche) und eine Metaebene (Beziehung, Sozialisation, Erkenntnisse) – und es eigentlich um die unaufgeräumte Küche geht, hinweisen.
Auf der Gegenstandsebene habe ich im Konfliktfall Beziehungsfall die Möglichkeit «Ich räume die Küche nicht auf!» zu sagen. Oder die Küche aufzuräumen.

Handeln

Wir tun etwas und erleben durch die Effekte dieses Tuns, dass in Hinsicht auf die von uns ansgestrebten Ziele unser Tun mehr oder weniger gelungen ist.

Rahel Jaeggi, Kritik von Lebensformen, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2014, S. 401

Das Erschrecken ob weniger Gelungenem gipfelt oft genug in dem Tun, das uns das Erleben weniger gelungen erneut vor Augen führt.