In der Nähe der Phänomene bleiben

Zu meiner Herangehensweise gehören die Auseinanderhaltung von Deskription und normativer Konsequenz. Damit soll Handlungsraum eröffnet werden.

Als Berater lege ich das Gesagte meines Klienten unter verschiedenen Gesichtspunkten aus. Vertrauen: WACHSTUM. Erfahrung: SELBSTBEZUG. Vermutung: Vergegenwärtigung, das Gesagte meines Klienten auf eine bestimmte Weise auszulegen, METAEBENE.

Was ich als Berater zum Gesagten meiner Klienten sage, folgt keinen Fragen, sondern Bildern und Gefühlen.

Weder vernünfteln, noch psychologisieren. Sondern in der Nähe der Phänomene bleiben.

Gegebenheiten

What to do if you find yourself stuck in a crack in the ground underneath a giant boulder you can’t move, with no hope of rescue. Consider how lucky you are that life has been good to you so far. Alternatively, if life hasn’t been good to you so far, which given your current circumstances seems more likely, consider how lucky you are that it won’t be troubling you much longer. Douglas Adams

Gegenwartsbezogene Beratung betrachtet die gegebenen Umstände.

Entwicklung und Zeitlichkeit

Entwicklung und Zeitlichkeit (Petzold) sind miteinander verknüpft. In den Erzählungen von Klienten verschränken sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
In der Praxis, auf Modelle bezogen, zu sagen wo ein Klient steht, ist hilfreich. Die Anwendung von Entwicklungsmodellen eher nicht. Entwicklung findet sowieso statt (Jaeggi).
Auf einen ganzen Therapieprozess schauend, kann zwischen Anfang, Mitte und der überraschenden Wendung unterschieden werden.

Ausgestaltung der Kommunikation in der Praxis

Erzählungen von Klienten unter den Gesichtspunkten des Vertrauens #WACHSTUM, der Erfahrung #RESONANZ und der Vermutung #SELBSTBEZUG auslegen. Auslegen vergegenwärtigen #METAEBENE, auf #STRUKTUR achten!

Die Deutung der Erzählungen von Klienten folgt

  • Fragen
  • Bildern
  • Gefühlen
  • Abschälungen

Macht

Gewalt (Verletzung körperlicher Integrität und die Androhung, körperliche Integrität zu verletzen) hat in einer Partnerschaft (besonders bezüglich Konflikten) genauso nichts zu suchen wie Macht.
Die Unmittelbarkeit von Gewalt steht dem Schwelen von Machtverhältnissen in einer Partnerschaft gegenüber.

Selbst, das

Das Selbst „leiblich gegründete Stabilität in ständigen Metamorphosen“ (…), eingebunden in den Heraklitischen Fluss des Lebens – über die Spanne der Lebenszeit.

Hilarion G. Petzold, Integrative Therapie, Modelle, Theorien und Methoden für eine schulenübergreifende Psychotherapie, 2. Klinische Theorie (1991a), S. 534

Wut

Gebackene Siedfleischsuppe mit Lauch- und Rüeblibrunoise. Guacamole mit grillierter Himbeeressigtomate. Gebackene Peperoni. Meerrettichschaum. Sauerkrautsuppe mit caramelisierten Äpfeln. Curry-Fenchelsuppe mit Petersilienmousse.

Zorn

Ich zitiere am Ende meines Buches (…) Nietzsches kulturtherapeutisches Programm. Er blickt auf 2500 Jahre Metaphysik zurück und stellt eine grosse psychische Verzerrung fest, die durch die Verkennung der thymotischen Regungsmöglichkeiten entstanden ist und durch eine überwertige Betonung von Demutstugenden, die der psychologischen Natur des Menschen nicht gerecht werden. (…) Die Therapie beginnt ja immer mit der Publikation. Das heisst, sobald sich psychologische, anthropologische Tatsachen dem offenen Himmel, einer klaren und nüchternen Beobachtung, präsentieren können, ist schon ein Grossteil der Therapie geschehen.

In diesem anaeroben, von Luft abgeschlossenen Seinsmodus des Verdrängten und des in den Untergrund Abgeschobenen, werden all diese Affekte giftig. Es ist ja auch kein Zufall, dass wir heute die grössten Zornesäusserungen (…) alle aus dem Untergrund emergieren sehen.

Peter Sloterdijk