Die unaufgeräumte Küche

In einem Konflikt kann ich auf der Ebene des Gegenstands bleiben. Nehmen wir als Beispiel eine unaufgeräumte Küche. Oder auf Beziehungsprobleme, meine Sozialisation, meine Erkenntnis, dass es in einem Konflikt ein paar Ebenen gibt – eine Gegenstands- (unaufgeräumte Küche) und eine Metaebene (Beziehung, Sozialisation, Erkenntnisse) – und es eigentlich um die unaufgeräumte Küche geht, hinweisen.
Auf der Gegenstandsebene habe ich im Konfliktfall Beziehungsfall die Möglichkeit «Ich räume die Küche nicht auf!» zu sagen. Oder die Küche aufzuräumen.

Zorn

Ich zitiere am Ende meines Buches (…) Nietzsches kulturtherapeutisches Programm. Er blickt auf 2500 Jahre Metaphysik zurück und stellt eine grosse psychische Verzerrung fest, die durch die Verkennung der thymotischen Regungsmöglichkeiten entstanden ist und durch eine überwertige Betonung von Demutstugenden, die der psychologischen Natur des Menschen nicht gerecht werden. (…) Die Therapie beginnt ja immer mit der Publikation. Das heisst, sobald sich psychologische, anthropologische Tatsachen dem offenen Himmel, einer klaren und nüchternen Beobachtung, präsentieren können, ist schon ein Grossteil der Therapie geschehen.

In diesem anaeroben, von Luft abgeschlossenen Seinsmodus des Verdrängten und des in den Untergrund Abgeschobenen, werden all diese Affekte giftig. Es ist ja auch kein Zufall, dass wir heute die grössten Zornesäusserungen (…) alle aus dem Untergrund emergieren sehen.

Peter Sloterdijk